Veranstaltung

Land ohne Eltern

datum 14. September 2017, 19:00
sprache de
tickets Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

Verlassene Landstriche, Städte ohne Erwachsene – für viele Kinder in Deutschland klingt das nach Abenteuer. Für Kinder in Moldawien, deren Eltern vor der Arbeitslosigkeit nach Westeuropa flohen, bedeutet es Armut, Einsamkeit und eine Kindheit am Telefondraht. In ihrem Bildband „Land ohne Eltern“ porträtiert Andrea Diefenbach zerrissene Familien in einer der ärmsten Gegenden Europas. Mit Bärbel Küster, Professorin für Kunstgeschichte, und Janka Vogel, Erziehungs- und Migrationswissenschaftlerin, diskutiert sie über ein internationales Phänomen der Arbeitsmigration und erzählt von ihrer Arbeit als Fotografin und den Schicksalen der Menschen, denen sie begegnet ist.

„Als ich im April 2008 in der ersten Klasse der Schule eines kleinen Dorfs im Süden der Republik Moldau stand, wo die Lehrerin fragte, »Wessen Eltern leben in Italien?« und etwa zwei Drittel der Kinder mit einer Mischung aus Stolz und Verlegenheit aufzeigten, war ich erschrocken. Es ist etwas völlig anderes, all die Statistiken über Arbeitsmigranten und Rücküberweisungen zu lesen, als in einem kalten Klassenraum vor 30 Sechsjährigen mit Wollmützen zu stehen und zu wissen, diese Kinder haben ihre Eltern oft seit Jahren nicht gesehen, weil diese 2.000km entfernt als Putzfrau oder Erntehelfer arbeiten.“

So beschreibt Andrea Diefenbach den Beginn ihrer Arbeit im Jahr 2008. Sie fotografierte Eltern in Italien, wo diese mühsam und teils illegal ihr Geld verdienen müssen, und deren Kinder, die in der Heimat zurückgeblieben sind. Ohne in die Kitschfalle zu tappen, dokumentiert sie die Entfernung zwischen Eltern und Kindern und die gleichzeitig vorhandene tiefe, aufrechte Verbindung sowie die Hoffnung, eines Tages wieder als Familie vereint in der Europäischen Union leben zu können.

Thema des Gesprächs sind zum einen die porträtierten Menschen selber: Die Ängste und Hoffnungen der Eltern und die Wünsche der Kinder. Janka Vogel, die als Lehrerin in Rumänien gearbeitet hat spricht mit Andrea Diefenbach über Arbeitsmigration und zerrissene Familien. Auf der anderen Seite geht es um das künstlerische Schaffen. Bärbel Küster unterhält sich mit der Fotografin über Bildsprache, Ästhetik und die Macht der Fotografie.

Das Gespräch findet im Rahmen der Ausstellung Vorsicht Kinder! geschützt, geliebt, gefährdet statt, in der einige Fotos von Andrea Diefenbach gezeigt werden.

Anmeldung

Wir bitten um verbindliche Anmeldung bis zum 13. September 2017. Aufgrund limitierter Kapazitäten können wir Ihnen einen Sitzplatz nur garantieren, wenn Sie Ihre Karte am Veranstaltungstag bis 18:45 Uhr abholen. Für spontane Gäste steht ab 18:45 Uhr ein begrenztes Kartenkontingent an der Abendkasse zur Verfügung.

Musterraum auf der Schlossbaustelle Eingang Süd, Schlossplatz / Breite Straße
Musterraum auf der Schlossbaustelle, Schloßplatz 10178 Berlin